Einstieg ins Reformationsjahr 2017

KlosterMariastern Rathaus AugsburgAugsburg gilt als die Stadt, in der Luthers Reformation im Juni 1530 ihren eigentlichen Durchbruch erlebte: politisch am Reichstag vor Kaiser und Fürsten, und theologisch mit der Bekenntnisschrift der Confessio Augustana. Das Gedenkjahr zum Reformationsbeginn 1517 wird auch einige unserer franziskanischen Angebote im kommenden Jahr 2017 prägen: speziell unsere Bigoriotagung von Ende Juni zum Thema: "Franziskus - Reform - Ökumene". 

Niklaus hat sich am ersten Adventssamstag in Augsburg auf das Gedenkjahr eingestimmt: an symbolreicher Stätte, gleich hinter dem prächtigen Rathaus der Reichsstadt Augsburg. 

Der Studientag mit den Franziskanerinnen des Klosters Mariastern spürte spannenden Fragen nach: warum betrachteten verschiedene grosse Reformatoren Franziskus als ihren Vorläufer? Was unterscheidet franziskanische Kirchenreform von reformatorischer? was trugen Franziskaner in Italien zur Erneuerung der Kirche bei, so dass sich da eine breite "Reform von unten" vor der Reformation ereignete? Was bewegt und leitet Papst Franziskus in seiner beherzten Ökumene, so sehr, dass die FAZ die Frage stellte, ob "Franziskus der neue Luther" sei... Anregende Impulse sorgen für lebhafte Diskussionen, die wiederum Freude auf 2017 wecken!

MariaStern AugsburgDie muntere Augsburger Schwesternschar von Mariastern grüsst in einem Kloster, das alle Stürme der Geschichte überstanden hat. Kloster Mariastern

Die Gemeinschaft entstand 1258 kurz nach Ankunft der ersten Franziskaner als eine Beginensammung "zum Stern".Als das Konzil von Vienne 1312 Beginen verbot, unterstellte die Gemeinschaft sich dem Schutz der Brüder und wählte die Drittordensregel. Dieser blieb sie auch in der Reformationszeit treu, als die Brüder vertrieben wurden und der Stadtrat die Schwestern erfolglos  zum neuen Bekenntnis drängte. Das Kloster blühte neu auf und baute sich hinter dem Rathaus der Stadt den ersten Zwiebelturm Süddeutschlands.

In ihrer Nachbarschaft findet sich das älteste Franziskanerkloster nördlich der Alpen. Den Brüdern der erfolgreichen Deutschlandmission hat der Bischof hier 1221 die erste Niederlassung im Deutschen Reich errichtet. Das noch im 13. Jahrhundert erbaute gotische Kloster wurde in der Reformation 1526 evangelisch. Sein Chorraum ist heute noch "evangelische Barfüsserkirche", während der Konventbau zu einem Jakobsspital umfunktioniert wurde.

Augsburg Barfüsserkloster1

Augsburg Barfüsserkloster8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

Augsburger Reichstag1530 Confessio

Reichstag vom Juni 1530 in Augsburg: Die Confessio Augustana wird in der Kapitelstube des bischöflichen Palastes von den protestantischen Fürsten vorgelegt und dem Kaiser durch den sächsischen Kanzler vorgelesen. Unterschrieben hatten sie Kurfürst Johann zu Sachsen, Markgraf Georg von Brandenburg, Herzog Ernst von Lüneburg, Landgraf Philipp von Hessen (ein Nachfahre der hl. Elisabeth von Thüringen), Herzog Hans Friedrich von Sachsen, Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg, Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen sowie die Bürgermeister und Räte von Nürnberg und Reutlingen.

Zur Bedeutung und zu den Inhalten der wegweisenden evangelischen Bekenntnisschrift, unter Federführung von Philipp Melanchthon verfasst: Confessio Augustana 

Was in diesem Bekenntnis feierlich über die Ordensgelübde gesagt wurde, hat die standfesten Schwestern der Reichsstadt nicht von ihrer Überzeugung abgehalten, einen sinnvollen und sehr evangelischen Weg der Nachfolge zu leben:

Confessio Augustana
Der Artikel 27

lehnt Klostergerlübde grundsätzlich ab, weil sie Gottes Ordnung widersprechen, die den Menschen für die eheliche Gemeinschaft geschaffen hat (1. Mose 2,18), und weil auch das Neue Testament den Menschen auffordert, zu heiraten, um so Unzucht zu vermeiden (1 Kor 7,2). Etliche Klostergelübde seien zudem auch kirchenrechtlich problematisch, da sie häufig von Minderjährigen abgelegt werden.

Dass den Klostergelübden eine besondere Bedeutung zukommt, lehnt das Bekenntnis aus theologischen Gründen ab: Weder werde durch sie Vergebung der Sünden empfangen, noch lasse sich ein besonderer Stand davon ableiten (der sog. status perfectionis): Vergebung erfährt man einzig durch Jesus Christus.

Die Confessio erklärt Klostergelübde deswegen für nichtig und erlaubt allen Ordensangehörigen zu heiraten.