Unsere Jahresernte - auf einer Insel im Rheinsee

InseWerd-SteinRhein-BrückeDie franziskanische Schweiz überrascht auch vielgereiste Schwestern und Brüder mit neuen Perlen. Unsere Klausurzeit vom Oktober haben wir auf der Insel St. Otmar im Werd verbracht. Sie liegt im Rheinsee, der den Bodensee wieder zum Fluss werden lässt. Seit gut 50 Jahren leben Franziskaner im kleinen Klösterchen, das der Abtei Einsiedeln gehört.

Hier haben wir an der Nordgrenze der Schweiz auf ein überreiches Teamjahr zurückgeschaut,  mit rund zwanzig Engagierten ein Dankesessen genossen und eine siebenköpfige Brüdergemeinschaft erlebt, deren ältestes Mitglied nur mal gerade 56 Jahre alt ist!

 

Bereits vor 7000 Jahren haben Pfahlbauer die Inselgruppe bewohnt, die sich in das obere, mittlere und untere Werdli aufteilt. Der aktuell niedere Wasserstand des Bodensees liess uns von der Franziskanerinsel St. Otmar trockenen Fusses auch auf die beiden unbewohnten Inseln wechseln, die unter striktem Naturschutz stehen. Auf der unteren findet sich diese Steinspirale, die zum meditativen Verweilen einlädt.

 

InselWerd-Spirale

 

 

Die Franziskanergemeinschaft verwöhnte unser Team mit herzhafter Gastfreundschaft. Neben den vier Brüdern, welche priesterliche Dienste in den umliegenden Pfarreien bieten und ihre Insel als paradiesische Oase für Alt und Jung pflegen, leben zur Zeit drei Postulanten im malerischen Inselhaus und singen die Gebetszeiten - für alle Interessierten zugänglich - in der Otmarskapelle. Sie ist das älteste romaniasche Gotteshaus am Bodensee und hütet das leere Grab des Gründerabtes von St. Gallen, der hier auf der Insel im Exil starb.

 

Rekreation am letzten Abend der Teamwoche im Kreis der anwesenden Franziskaner-Brüder:

 


InselWerd-Franziskaner-Konvent2015Die Gemeinschaft setzt sich aus praktisch begabten Brüdern zusammen: Bruder Hans war vor seinem Ordeneintritt Elektriker und Br. Michael Bäcker, die Postulanten aus der Schweiz und Österreich haben bis vor kurzem als Bierbrauer, Koch un Kellner sowie als Fleischhauer gearbeitet. Zusammen mit Br. Patrick (der Bänker war) und Br. Christoph-Maria (Guardian) könnten sie eine Gasthaus zu den Franziskanern eröffnen, mit eigenem Franziskanerbier!

 

Allerdings lassen die seelsorglichen Aufgaben in der ganzen Region und das "Zusammenleben auf Zeit", wie es Ausbildungskonvente mit sich bringen, wohl beim Traum des Bierbrauers Andreas bleiben!

 


InselWerd-Konventgebäude-GartenMit Blick auf das Dankesessen haben wir Rückblick auf ein volles Jahr gehalten. Es spannte unseren Akionsradius bis Irland und Andalusien, Europas äusseren Westen und Süden. Insgesamt 30 Angebote füllen unseren Kalender seit Februar 2015:

Zunächst beeindruckte uns eine Spanienreise mit franziskanischen Begegnungen genau 800 Jahre, nachdem Franziskus die iberische Halbinsel verlassen hat. Dann bereitete ein Weekend im Mattli auf die Passionszeit und ihre Abschiede vor. Eine erste Assisireise führte im April junge Familien in die Stadt von Franz und Klara. Eine Irlandreise legte den Grund für franziskanisches Erkunden der "grünen Insel". Mai und Juni sahen uns eine Gruppe nach Padua und Ravenna sowie je eine mit besinnlichen, musikalischen und pfarreilichen Akzenten nach Assisi begleiten. Der franziskanische Pilgerweg in den Ranft fand einmal mehr in voller Frühlingspracht statt. Auch der Sommer wartete mit einer reichen Palette von "Reisen mit Tiefe und Weite" auf: je eine Studienwoche in Assisi und Prag, eine Assisireise der Franziskanischen Gemeinschaft, eine Exerzitienwoche im franziskanischen Bergkloster Monteluco bei Spoleto, eine Reise durch Südfrankreich und eine Reise mit vierzig Personen durch Böhmen. Pilgerwege sorgten auf der Via Francigena vom Genfersee nach Aosta und auf der Via Gottardo vom Vierwaldstättersee in die Leventina sowie in Umbrien von Narni und in der Toskana von Siena nach Assisi für tiefe Erlebnisse. Der Frühherbst liess eine weitere Gruppe zu einer stillen Intensivwoche auf den Monteluco di Spoleto steigen, während eine franziskanische Reise in die Welt Elisabeths von Thüringen und eine neuartige Reise ins franziskanische Rom führte. Auch intensive Tagungen wirken nachhaltig weiter: die Bigoriotagung der Franziskanischen Schweiz von Anfang Juli zum Thema "zu Einkehr laden - Aufbruch wagen" und das Franziskaniasche Forum vom September zum Thema "Wahrheit" in Wissenschaften, Religionen, Medien und Gesellschaft. Noch ausstehend sind eine letzte Assisireise dieses Jahres, die Sr. Imelda begleiten wird, und das Adventsgebet im Ranft.

Zusammen mit den vier Tauzeit-Heften mit je eigenen Akzenten kommen wir als Team auf dreissig "Events", für die wir 2015 Veranwortung tragen. Nicht mitgezählt sind da zusätzliche Einsätze einzelner. So reiste Br. Niklaus für franziskanische Weekends mehrmals auch nach Süddeutschland, für Vortragsparacours über Papst Franziskus durch halb Europa und für eine franziskanische Intensivbildung sogar erstmals über den Äquator nach Madagaskar.

 

Der Rückblick auf soviel Ernteertrag liess uns denn auch staunen über das "Leben in Fülle", das die Franziskanische Welt uns erleben, teilen und fördern lässt.

 

Bild: Br. Bernardin Heimgartner unterstützt den Dank in der Otmarskapelle auf der Insel Werd mit einer Geigen-Improvisation:

 

InselWerd-SteinRhein-Kapelle

 

Viele dieser Engagements wären dem verkleinerten Team nicht möglich ohne die Unterstützung, die uns rund vierzig Gefährtinnen und Gefährten in einzelnen Projekten geben.

Sr. Imelda geht besinnlich über die Landbrücke zwischen der oberen und der mittleren Werdli-Insel, welche die meiste Zeit des Jahres vom Wasser des Rheinsees bedeckt ist. Der Blick geht aus ungewohnter Sicht auf die kleine Klosterinsel der Franziskaner, die sich als wahre Perle und  Oase am Ende des Bodensees erweist.

 

Inselwerd-Rheinsee

Abschied von der Insel!

 

InselWerd-SteinRhein-Rheinsee